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Slime ohne Borax: die Wahrheit über Linsenlösung
Viele Rezepte „ohne Borax“ enthalten trotzdem Bor. Was ANSES, DGCCRF und BfR sagen, das sanfteste Rezept mit Kleber und 5 Slimes wirklich ohne Bor.
„Slime ohne Borax“ gehört zu den häufigsten Suchanfragen von Eltern, und das hat einen Grund: Borax hat einen schlechten Ruf. Hinter diesem Versprechen steckt aber oft ein Missverständnis. Die meisten Rezepte „ohne Borax“ enthalten trotzdem Bor, nur in einer anderen Form. Hier erfährst du, was du wissen solltest, und welche Rezepte wirklich ganz ohne Bor auskommen.
Warum Borax einen schlechten Ruf hat
Borax (Natriumtetraborat) ist ein Pulver, das, in Wasser aufgelöst, Kleber in wenigen Sekunden zu Slime werden lässt. Es war der Aktivator der ersten amerikanischen Rezepte. Das Problem: Borax und Borsäure sind als fortpflanzungsgefährdend eingestuft, und die ANSES, die französische Behörde für Lebensmittel- und Gesundheitssicherheit, hat 2018 daran erinnert, dass Kinder sie nicht immer wieder anfassen sollten. Seit 2012 werden sie in der Europäischen Union nicht mehr als reine Stoffe an Privatleute verkauft. Die Behörden haben außerdem Hautreizungen und sogar Verbrennungen der Haut bei Kindern gemeldet, die Slime mit Waschmitteln oder anderen zweckentfremdeten Haushaltsprodukten hergestellt hatten.
Das Missverständnis: „ohne Borax“ heißt nicht „ohne Bor“
Damit aus weißem Bastelkleber (PVA) ein Slime wird, braucht es Borat-Ionen: Sie verbinden die langen Ketten im Kleber miteinander. Alle Aktivatoren für Kleber-Slime liefern sie:
- die Kontaktlinsenlösung, die in den meisten Rezepten „ohne Borax“ steht, enthält Borsäure und Natriumborat;
- die fertigen Slime-Aktivatoren aus der Flasche sind Boratlösungen;
- auch die amerikanische Flüssigstärke („liquid starch“), die in vielen Originalrezepten vorkommt, enthält Natriumborat.
Ein Rezept mit Kontaktlinsenlösung ist also „ohne Boraxpulver“, aber nicht „ohne Bor“. Das ist kein Drama: Die Menge ist klein und in viel Kleber verdünnt. Es ist aber ein guter Grund, bei den richtigen Regeln zu bleiben: Ein Erwachsener gibt den Aktivator dazu, alle waschen sich danach die Hände, und niemand spielt jeden Tag stundenlang damit. Den ausführlichen Vergleich aller Aktivatoren findest du auf der Seite Der Slime-Aktivator.
Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich 2022 mit Borverbindungen in gekauftem Spielschleim und Hüpfknete beschäftigt. Gesundheitliche Folgen durch einmaliges Verschlucken oder durch tägliches Spielen hält es für sehr unwahrscheinlich, solange die freigesetzte Bormenge unter den dort genannten Werten bleibt. Trotzdem sollen Eltern verhindern, dass Kinder die Masse in den Mund nehmen, und das Mindestalter auf der Packung beachten: Für Kinder unter drei Jahren ist solche „Wabbelmasse“ meist nicht geeignet.
Und Waschmittel?
Viele Videos und sogar manche automatisch erstellten Zusammenfassungen von Suchmaschinen schlagen einen Slime aus „Kleber + Flüssigwaschmittel“ vor. Manche Waschmittel enthalten Borate, andere nur waschaktive Substanzen und Duftstoffe. In beiden Fällen ist Waschmittel nicht dafür gemacht, dass ein Kind es mit bloßen Händen knetet: ANSES und DGCCRF (die französische Verbraucherschutzbehörde) nennen schwere Hautentzündungen, die mit solchen Rezepten zusammenhängen. Auf dieser Seite findest du deshalb kein einziges Rezept mit Waschmittel.
Das sanfteste Rezept mit Kleber
Wenn du einen echten, dehnbaren Slime möchtest, ist das Rezept mit Kontaktlinsenlösung und Natron immer noch das vernünftigste: 120 ml Bastelkleber, 120 ml Wasser, ½ TL Natron und etwa 1 EL Kontaktlinsenlösung, die ein Erwachsener nach und nach dazugibt. Prüf vorher das Etikett: Bei den Inhaltsstoffen sollten Borsäure und Natriumborat stehen, eine reine Kochsalzlösung wirkt nicht. Solche Lösungen gibt es in der Drogerie, in der Apotheke oder beim Optiker. Schritt für Schritt erklärt ist alles in unserem Rezept für einfachen Slime, und der Slime-Mengenrechner passt die Mengen an deine Schüssel an.
Die Rezepte wirklich ohne Bor
Für null Bor musst du auf Kleber verzichten. Dann entsteht kein „Polymer-Slime“ im engeren Sinn mehr, aber Massen, die ihm sehr nahekommen, und zwar mit Zutaten aus der Küche:
| Rezept | Zutaten | Textur | Für wen |
|---|---|---|---|
| Slime ohne Kleber | Speisestärke und Wasser (2 zu 1) | Hart, wenn man draufklopft, flüssig in Ruhe | Ab 3 Jahren, supereinfach |
| Marshmallow-Slime | Marshmallows, Öl, Speisestärke | Lässt sich ziehen und formen | Ab 3 Jahren, ein Erwachsener erhitzt |
| Chia-Slime | Chiasamen, Wasser, Speisestärke | Glibberig, voller Samen | Ab 3 Jahren, am Vortag vorbereiten |
| Flohsamen-Slime | Flohsamenschalen und Wasser, erhitzt | Sehr dehnbar | Ab 6 Jahren, ein Erwachsener erhitzt |
| Gelatine-Slime | Gelatine, kochendes Wasser, Glukosesirup | Glibberig und fadenziehend | Ab 4 Jahren, ein Erwachsener übernimmt das kochende Wasser |
Diese Massen haben eines gemeinsam: Sie halten sich schlecht (von ein paar Stunden bis zu ein paar Tagen), und man isst sie nicht, auch wenn die Zutaten aus dem Vorratsschrank kommen. Sie sind ideal für die Jüngsten und für einen Bastelnachmittag.
Und selbstgemachte Knete?
Wenn es vor allem ums Kneten und Formen geht: Unsere Rezepte für Knete und Teig sind alle ohne Bor, ob Knete ohne Kochen, Wolkenteig, Mondsand oder Schaumknete.
Kurz zusammengefasst
- „Ohne Borax“ heißt meistens „mit einem anderen, stärker verdünnten Aktivator, der Bor enthält“.
- Kein Boraxpulver, kein Waschmittel.
- Mit Kleber: Kontaktlinsenlösung und Natron, von einem Erwachsenen dazugegeben.
- Für null Bor: Speisestärke, Marshmallows, Chia, Flohsamenschalen oder Gelatine.
Alle Sicherheitsregeln, auch für gekauften Slime, findest du im Ratgeber für Eltern.